ABC – Etüden November 2026 – Kaiserschmarrn

Die Wortspende für den November des Jahres 2026 kommt von Christiane und und ihrem Blog Irgendwas ist immer.
Die drei Wörter, die in eine Geschichte mit maximal 300 Wörtern gepackt werden sollen, lauten:

Zimt
kratzig
zeigen


Bevor sich morgens in der aufgehenden Herbstsonne die goldenen Blätter der Büsche und Bäume im Garten zeigen, liegt jetzt jeden Morgen erst einmal ein seidiger Nebel über allem. Ein Weichzeichner, der noch versteckt, was man eigentlich kennt, weil man es ja jeden Tag sieht, wenn man aus dem Wohnzimmerfenster schaut. Und doch habe ich das Gefühl, das es jeden Morgen ein wenig anders ist. „Du machst jeden Morgen neu“ kommt mir in den Sinn. Und für einen Moment sieht es wirklich so aus, als ob dieser Morgen, dieser Tag anders sein wird als der vorhergehende. Es ist schön, sich die Zeit zu nehmen, ein wenig innezuhalten und sich einfach am Moment zu erfreuen. Fast möchte ich anfangen, ein Morgenlied zu singen, lasse es aber aufgrund meiner kratzigen Stimme lieber bleiben. Vielleicht mache ich mir heute Kaiserschmarrn mit Zucker und Zimt, denke ich so vor mich hin, während der Wasserkocher vor sich hinblubbert und das Wasser für den Tee vorbereitet. Das Radio lasse ich heute morgen aus; ich möchte mir die Stimmung nicht von irgendwelchen Leuten verderben lassen, die nichts anderes wissen, als Verantwortung auf andere zu schieben und selbst nur durch Worte glänzen. Und dann überlege ich, woher das Wort Kaiserschmarrn wohl kommt? Hatte eine Mitteilung des Kaisers damals beim Pfannkuchen machen die Köchin so in Rage gebracht, dass sie ob dem Schmarrn, der da verzapft wurde, kräftig in der Pfanne herumgekratzt hat?
Vielleicht sogar in einem herrschaftlichen Haus? Und als sie die ursprünglichen Pfannkuchen unter fragenden Worten den Herrschaften auf das Teller klatschte sagte sie nur: „Bei dem Schmarrn, was die Oberen von sich geben, muss man sich abreagieren.“ Der Hausherr war zuerst erbost über solch eine Frechheit, als er aber den ersten Bissen des Kaiserschmarrns gekostet hatte, wünschte er sich insgeheim noch mehr solche köstlichen Ausraster seiner Köchin.