Die Wortspende für den November des Jahres 2026 kommt von Christiane und und ihrem Blog Irgendwas ist immer.
Die drei Wörter, die in eine Geschichte mit maximal 300 Wörtern gepackt werden sollen, lauten:
Zimt
kratzig
zeigen
Es war einer dieser verregneten Sonntagnachmittage die auf der einen Seite frustrierend grau sind, auf der anderen jedoch einladen, in Büchern zu schmökern, alte Filme zu schauen, Tee zu trinken und sich zu unterhalten.
Hermann hatte Zimtschnecken gebacken und als er am frühen Nachmittag mit dem Hund kurz raus ging, traf er seinen Nachbarn. Nach einem kurzen Plausch, denn bei dem Nieselregen und kalten Wind konnte man sich nicht wirklich länger unterhalten, lud Hermann kurzerhand Nachbar und Frau zum Nachmittagstee ein.
Hermanns Frau wiederum war davon wenig begeistert, wollte sie doch am liebsten im Schlabberlook den ganzen Tag verbringen, aber so wollte sie sich nicht den Nachbarn zeigen.
Es wurde ein gemütlicher Nachmittag, kurzzeitig getrübt durch die konsequente Verweigerung des Nachbarn, Hermanns Zimtschnecken auch nur zu kosten.
„Welche Art Zimt hast Du verwendet?“ war seine erste Frage. Hermann wusste nur, dass es Zimtstangen oder gemahlenen Zimt gibt. Natürlich hatte er gemahlenen verwendet. Auf die scherzhafte Antwort von ihm, dass die Zimtstangen immer so schwer in die Schnecken gingen, folgte von Herrn Nachbar eine Unterrichtseinheit in Zimtkunde. So erfuhren alle, ob sie es wollten oder nicht, dass vor allem in billigen Zimtsorten Cumarin enthalten ist, welches in hohen Dosen als gesundheitsschädlich gilt. Deshalb dürfe bei Backwaren der Cumarinanteil 50 Milligramm pro Kilo nicht überschreiten, was bei Vietnam Zimt schnell erreicht sei.
Cumarin könne bei empfindlichen Menschen Kopfschmerzen verursachen, fuhr Nachbar fort. Er selbst habe nach Zimtgenuss immer einen kratzigen Hals.
Als Hermann ihm schließlich die Tüte des Zimtpulvers aus dem Müll gefischt hatte, um ihm zu zeigen, dass es hochwertiger Ceylon-Zimt aus dem Bioladen war, den er verwendet hatte, war Nachbar beruhigt und erlaubte seiner Frau, dass sie sich eine Schnecke gönnte.
Eine halbe Stunde später entschuldigte der Nachbar sich, um kurz vor die Türe zu gehen und eine zu rauchen.
