Christiane / Irgendwas ist immer hat die Schreibeinladung zu den ABC-Etüden September 2026 aktiviert.
Die Wörter, die es im Text zu verwenden gilt sind:
Wetterumschwung
abwechslungsreich
versickern.
Aus diesen drei Worten soll ein eigener Text mit bis zu 300 Wörtern kreiert werden. Natürlich ohne Zuhilfenahme von KI Tools.
Hier meine zweite Geschichte.
Er steht an der Straßenecke unter dem Vordach der geschlossenen Kneipe.
Da ist er zumindest ein wenig vor dem Dauerregen geschützt.
Das Wasser versickert schon längst nicht mehr in seinen Wollsocken, nachdem es den Weg durch die ausgelatschten und löchrigen Schuhe gefunden hat. Es läuft einfach durch.
Die Wanderschaft aus seinem Städtchen, in dem er seit seiner Geburt wohnte, in „die weite Welt“ wie er es sarkastisch bezeichnete, hatte er sich abwechslungsreicher, vor allem nicht so nass, vorgestellt.
Eigentlich wollte er nicht weg, aber nach dem Verlust seines Arbeitsplatzes, an dem er 45 Jahre gearbeitet hatte, und dem gleich darauffolgenden Rausschmiss aus seiner Wohnung saß er buchstäblich auf der Straße.
Seine Kollegen waren nicht seine Freunde und seine Freunde, mit denen er die Wochenenden im Fußballstadion und danach in der Kneipe verbracht hatte, taten so, als würden sie ihn nicht kennen.
Genauso wie der Sohn seines Vermieters.
Über 60 Jahre wohnte er in dem Haus, das sogar seine Eltern schon gemietet hatten. Vor kurzer Zeit war der Vermieter gestorben und sein Sohn, war danach bei ihm aufgetaucht und hatte für das Haus Eigenbedarf angemeldet.
Dabei wohnt er 200 Kilometer entfernt und hat dort ein Haus!
Bei der Arbeit hatte ein neuer Geschäftsführer die kleine Firma „restrukturiert“ und durch geschickte Winkelzüge Arbeitsplätze gestrichen, die unter anderer Bezeichnung mit jungen Arbeitern wieder auferstanden sind.
„Hoffentlich kommt bald ein Wetterumschwung, dann kann ich mich trocknen und finde vielleicht irgendwo einen Schlafplatz. Hier in der Großstadt falle ich wenigstens nicht so auf wie in meinem Heimatdorf.“
Der Regen hat inzwischen ein wenig nachgelassen und so macht er sich auf, hoffend auf bessere Zeiten, auf besseres Wetter. Irgendwo muss es doch etwas geben, wo es einigermaßen trocken ist.
Er will nur schlafen.
Nicht an morgen denken.
Und vielleicht nicht mehr aufwachen.
Das wäre die Lösung.
