Abglanz – säuerlich – scheuern.
Diese drei Wörter sind von Lisa und ihrem Blog Abenteuerzeit Familienreise für Christianes Oktober-Etüden vorgegeben.
Maximal 300 Worte darf die Geschichte enthalten und die vorgegebenen Wörter müssen in die Geschichte eingearbeitet werden.
In der ersten Oktober Etüde „Die Entscheidung“ hat sich die Protagonistin vorgenommen, ihr Leben ein wenig zu ändern. Vielleicht auch ein wenig mehr. Auf jeden Fall mehr als wahrscheinlich Ihrem Umfeld lieb ist.
„Der nächste Schritt“ war Teil 2 und Teil 3 „Der Abend„. Dieser verlief nicht ganz so, wie es unsere Protagonistin sich ihn sich vorgenommen hatte. Dementsprechend ist sie jetzt in Teil 4 ein wenig zerknirscht, aber hält an ihrem Weg fest.
Normalerweise sollte dieser Teil erst am Dienstag kommen, aber da ist Wortmans Drabble-Aufgabe dran, also gibt es eine Abweichung vom 2-Tages-Rhythmus.
Der Abend mit den Müllers verlief leider so wie immer. Sie könnte sich selbst eine scheuern, wenn sie daran dachte, wie sie das übliche Spiel der ein wenig unterbelichteten Professorengattin mitgemacht hatte. Wo waren denn ihre Vorsätze geblieben? Das Maximale, was sie gestern getan hatte, war, sich unter einem Vorwand in die Küche zu verziehen, als Herr Müller und ihr Mann wieder über die Überfremdung in Deutschland geredet haben, ohne wirklich ihre Aussagen auf Fakten zu gründen. Und natürlich hatte Frau Müller gleich mitgezogen, da in ihrem Delikatessengeschäft jetzt „auch so eine mit Kopftuch arbeitet“. Ok, daß sie vom Tisch mitten in der Konversation aufgestanden war, hatte wenigstens ein wenig für Verwirrung gesorgt. Sie konnte in der Küche nur noch hören, daß ihr Mann sie damit entschuldigte, daß es wahrscheinlich die Hormone seien. Klar, damit konnte man alles erklären.
Nachdem sie wieder an den Tisch kam, wurde das Gespräch auf Belanglosigkeiten reduziert und gleich nach dem Dessert, bei welchem die Früchte laut Frau Müller zu säuerlich schmeckten, verabschiedeten sich die Gäste relativ schnell, was ihr sehr gelegen kam. So konnte sie ihrem Mann wenigstens noch mitteilen, dass sie am nächsten Abend zum Vortrag „Der Abglanz in Romanen als Spiegelbild menschlicher Bestrebungen und Emotionen“ gehen würde. Seine einzigen Bemerkungen waren: „Willst Du jetzt noch Intellektuell werden?“ und „Dir ist schon klar, daß Du unsere Kinder allein zu Hause lässt, ich habe nämlich Spätdienst.“ Sie erwiderte nichts, denn alles hätte zu unendlichen Diskussionen geführt. Sie ließ es einfach auf sich beruhen.
Als sie heute die Kinder zur Schule fuhr, teilte sie ihnen mit, daß sie ab nächste Woche nicht mehr gefahren werden würden und somit schauen, daß sie, wenn nicht zu Fuß, dann mit den Fahrrädern den Weg zurücklegen müssten. Natürlich kam starker Widerspruch. Die Fahrräder seien doch nicht mehr in Ordnung und ob das mit Papa geklärt sei. Ihre Antwort musste so klar und pragmatisch gewesen sein, daß die beiden ohne Gruß an der Schule aus dem Auto gestiegen waren, die Türe mit Nachdruck zugeknallt hatten und schimpfenderweise gen Schuleingang stampften.
Zuhause angekommen, wühlte sie in ihren Schul- und Abschlußunterlagen, suchte alles Relevante zusammen und ordnete es in einem Hefter chronologisch. Die Beratung nächste Woche konnte stattfinden. Den Zettel mit „willst Du mit mir gehen? JA, NEIN, VIELLEICHT, der zwischen den Unizertifikaten lag, ließ sie gleich verschwinden. Schon damals hatte er zwar Fragen gestellt, aber keine Antwort erwartet
