ABC – Etüden Oktober 2026 – Der Abend

Abglanz – säuerlich – scheuern.

Diese drei Wörter sind von Lisa und ihrem Blog Abenteuerzeit Familienreise für Christianes Oktober-Etüden vorgegeben.
Maximal 300 Worte darf die Geschichte enthalten und die vorgegebenen Wörter müssen in die Geschichte eingearbeitet werden.

In der ersten Oktober Etüden „Die Entscheidung“ hat sich die Protagonistin vorgenommen, ihr Leben ein wenig zu ändern. Vielleicht auch ein wenig mehr. Auf jeden Fall mehr als wahrscheinlich Ihrem Umfeld lieb ist.

Eigentlich sollte die Etüde „Die Entscheidung“ einfach so für sich stehen, aber Mindsplit hat mir den Floh ins Ohr gesetzt, weiterzumachen.

Mit „Der nächste Schritt“ war Teil 2 und nun sind wir bei Teil 3. Keine Ahnung, wo das hinführen wird.


Der Abend war gekommen und sie wartete auf die Müllers. Ihr Mann, der diese Treffen immer terminiert, hatte sich wie üblich in sein Arbeitszimmer zurückgezogen. So war er außer Sichtweite und kam gar nicht in Gefahr, von ihr als Unterstützung angefragt zu werden. Deshalb konnte sie ihm auch noch gar nicht erzählen, was sie heute gemacht hatte. Es wäre sowieso das erste Mal seit langem, daß sie ihm von ihrem Tagesablauf erzählt hätte. Es passierte ja nichts, außer es war etwas mit den Kindern. Aber die waren inzwischen schon so selbstständig und verkrochen sich nach der Schule immer gleich in ihre Zimmer.
Die Metzgerei hatte die liebevoll arrangierten Cateringplatten gebracht und sie musste nur noch den Tisch decken. Die Weinauswahl oblag wie immer ihrem Mann; den Schlüssel zum Weinkeller hatte sie sowieso nicht.
Und so stand sie, gestylt und gerichtet, im Esszimmer und blickte geistesabwesend auf den Abglanz des Kronleuchters, den sie abscheulich fand, seit sie ihn zum Einzug ins damals neue Haus von den Schwiegereltern bekommen hatte. Wie oft hatte sie gehofft, daß ihre langjährige Putzfrau das Ding nicht nur sanft anfasst, sondern mal richtig dran scheuern würde. Vielleicht würde der Leuchter dann einen Abgang machen. Aber für ihren Mann wäre es dann sicher ein Grund, die sehr zuverlässige Putzfrau sofort zu entlassen.
Der Klang von Big Ben holte sie aus ihren Gedanken. Auch dieser mehr als antiquierte Ton der Türklingel nervte sie schon lange. Zum Glück klingelte es nur sehr selten an der Türe.
Als sie öffnete, schaute sie, wie vorhergesehen, in das süß-säuerlich grinsende Gesicht von Frau Müller. Herr Müller vermied es wie immer, sie direkt anzuschauen und tat so, als ob er den teffliegenden Schwalben hinterhersehen würde.
„Vielen Dank für die Einladung“,säuselte Frau Müller. „Die Abende mit Ihrem Mann und natürlich Ihnen sind immer so angenehm.“

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