ABC – Etüden Oktober 2026 – Der Vortrag

Abglanz – säuerlich – scheuern.

Diese drei Wörter sind von Lisa und ihrem Blog Abenteuerzeit Familienreise für Christianes Oktober-Etüden vorgegeben.
Maximal 300 Worte darf die Geschichte enthalten und die vorgegebenen Wörter müssen in die Geschichte eingearbeitet werden.

In der ersten Oktober Etüde „Die Entscheidung“ hat sich die Protagonistin vorgenommen, ihr Leben ein wenig zu ändern. Vielleicht auch ein wenig mehr. Auf jeden Fall mehr als wahrscheinlich Ihrem Umfeld lieb ist.

„Der nächste Schritt“ war Teil 2 und Teil 3 „Der Abend„.
Der vierte Teil hieß „Einfach ist anders“


Der Vortrag gestern Abend war jetzt nicht so toll, wie sie es sich vorgestellt hatte. Lange Sätze mit Fremdwörtern gespickt, so als wolle der Dozent zeigen, in welchen Gefilden er sich normalerweise bewegt. Ein paar Studierende hatte es auch in den Seminarraum verschlagen, wahrscheinlich aber eher aus dem Grund, weil sie bei dem Dozenten positiv auffallen wollten, bevor die Prüfungen kamen. Sonst waren meist ältere Semester anwesend. Frauen, ein wenig zu sehr gestylt und Männer, betont lässig mit Jeans und dem obligatorischen Rollkragenpullover, der zeigen sollte, dass man zum philosophisch-intellektuellen Kader gehörte. Ein bisschen sich im Abglanz des Dozenten sonnen, um danach pseudo-tiefschürfende Gespräche mit seinesgleichen in der Aula führen zu können. Genau das, vor dem sie eigentlich fliehen wollte.
Zum Glück kannte sie niemand, so dass sie nach dem Vortrag ohne aufgehalten zu werden nach Hause konnte. Dieses Mal hatte sie auf die Trambahnfahrt verzichtet, weil sie nicht genau wusste, ob am späteren Abend noch eine in ihre Richtung fuhr.
Heute hatte sie ihren Mann gebeten, ihr den SUV zu leihen; er sollte mit der Familienkutsche fahren, da sie die Fahrräder der Kinder zum Reparieren bringen wollte. Wie üblich fragte er nicht warum, was ihr am frühen Morgen ganz recht war.
Die Fahrräder waren im Wagen verstaut und sie hatte penibel aufgepasst, dass kein Teil der Gefährte im Auto scheuern konnte.
Die Kinder schienen jetzt sogar eher eine Vorfreude auf die Zeit zu haben, wo sie eigenständig zur Schule fahren konnten.
Ihre Tochter bat sie nur, ob man denn an ihrem Fahrrad einen neuen Sattel montieren könne, der jetzige rieche immer noch säuerlich, seit damals, als ihre vor drei Monaten verstorbene Katze Minka drauf gepinkelt hatte. Als dies positiv bescheinigt wurde, und Sohnemann für sein Fahrrad ein neues Vorderlicht ausgehandelt hatte, war die Stimmung im Auto fast zu gut.