Silbenton hat für Juni die Juniverse 2026 gestartet. Jeden Tag ein anderes Wort. um das sich ein Gedicht ranken soll.
Für den 14. Juni ist das Wort „Glühschwanz“.
Wo fliegt er heut, der Glühschwanz her,
mit feurigem Schweif durchs Sternenmeer?
Einst zog er durch die Mitternacht
und hielt auf Recht und Ordnung Acht.
Wer Knechten ihren Lohn verwehrt,
wer nur den eignen Beutel mehrt,
wer Korn und Silber hortet still,
weil er stets mehr und alles will,
dem zog er über Dach und Haus
mit rotem Schweif die Schande aus.
Dann wusste bald das ganze Land,
wer Reichtum durch fremde Mühe fand.
Dem Ehrlichen jedoch bei Nacht
hat er manch blanken Taler ‚bracht.
So galt sein Feuer weit und breit
als Zeichen der Gerechtigkeit.
Doch heute bleibt der Himmel leer,
kein Glühschwanz zieht mehr hin und her.
Die Menschen haben Angst und Wut
Reichtum ist das höchste Gut
Da werden Löhne reduziert
Die Politiker zur Not geschmiert
Man nimmt den Vielen Stück um Stück
und nennt die Gier dann Wirtschaftsglück.
Kein feuriger Schweif zieht übers Land,
kein Licht legt Schuld mehr offen dar.
So bleibt verborgen manche Hand,
die reich wird, wo sie nie gerecht war.
Manch einer säße nicht so stolz,
fiel Glühschein auf sein blankes Holz.
Manch einer schwieg wohl augenblicks,
statt großer Worte, kleiner Tricks.
Nicht dass sein Feuer Häuser frisst,
ist’s, was man heute schmerzlich misst.
Nein – dass sein Schweif im hellen Schein
die Wahrheit brennt ins Land hinein.
Dann stünde klar in jedem Haus,
wer lebt von fremdem Fleiß sich aus,
und was sich sonst im Schatten hält,
verlör im Licht die halbe Welt.