Silbenton hat für Juni die Juniverse 2026 gestartet. Jeden Tag ein anderes Wort. um das sich ein Gedicht ranken soll.
Für den 5. Juni ist das Wort „Nachtkrabb“.
Zum Nachtkrabb ein paar Vorbemerkungen: Als Kind hatte ich eine Sch… Angst vor dem Nachtkrabb,denn wenn ich mal nicht zu der von meiner Mama gedachten Stunde ordentlich im Bett lag, sondern immer wieder aufgestanden bin, kam hin und wieder die Drohung „Wenn Du jetzt nicht ins Bett gehst und schläfst, dann holt Dich d’r Nachtkrabb.“ Für mich war der Nachtkrabb irgendein riesiger Rabenvogel, der Kinder, die nicht schlafen wollten, einfach mitnimmt. Nicht, dass ich nach der Drohung etwa schneller eingeschlafen wäre; aber ich bin zumindest im Bett geblieben, immer in der Hoffnung dass „d’r Nachtkrabb“ mich nicht holt. Er hätte sich und mich aber auch bei der Durchführung seiner Aufgabe auch dematerialisiern müssen, denn zum gekippten Fenster mit dem davor runtergelassenen Rolladen wären wir beide nicht durchgekommen. Aber denkt man als Kind an sowas?
Kend, ’s wird Zeit
Ab ens Bett
Sei halt gscheit
Ond mach koi Gfrett
D’r ganza Dag warsch draussa rom
Jetzt bisch frisch badet, sei et domm
Ond leg de na ond deck‘ de zua
Jetzt gib halt endlich mol a Rua
Z’Nacht hosch gessa
Tronka au
D’r ganza Dag ben I ned gsessa
Mir isch ganz mau
I will heit Obend nix meh hera
Do kaasch no lang omenander plärra
I guck jetz mol en Fernseh nei
Ond hoff‘ dass Du no schlofsch bei drei
Was stosch jetzt do ond au no barfuß?
Es isch jetzt gnuag ond au mol Schluss.
D’r Nachtkrabb sitzt scho uff’m Baum
Ond ’s wird Zeit fir Deinen Traum
Du woisch ja, jetzt, wenn’s donkel wird
Wenn’s draussa nemme sengt ond zirpt
No goht d’r Nachtkrapp auf sei Jagd
Ond weh dem Kend, des ‚r no packt
Des sieht sei Hoimat nimmermehr
Do hilft koi Schreia, koi Geplärr
Bisch oimol weg, kommscht nemme zruck
Drom schlof jetzt ei ond mach koin Muck
Ond morga friah, wenn’s hell isch draussa
No kaasch gern wieder oms Viereck saussa.
Hier das Ganze ins Hochdeutsche übersetzt:
Kind, es wird Zeit,
ab ins Bett.
Sei vernünftig
und mach keinen Ärger.
Den ganzen Tag warst du draußen unterwegs,
jetzt bist du frisch gebadet, sei nicht dumm.
Und leg dich hin und deck dich zu,
jetzt gib endlich mal Ruhe.
Zu Abend hast du gegessen,
getrunken auch.
Den ganzen Tag bin ich nicht gesessen,
mir ist ganz flau.
Ich will heute Abend nichts mehr hören,
du kannst noch so lange herumjammern.
Ich schaue jetzt noch ein bisschen fern
und hoffe, dass du bei drei einschläfst.
Was stehst du jetzt da und auch noch barfuß?
Es reicht jetzt, und Schluss ist auch.
Der Nachtkrabb sitzt schon auf dem Baum,
es wird Zeit für deinen Traum.
Du weißt ja, wenn es dunkel wird,
wenn draußen nichts mehr singt und zirpt,
dann geht der Nachtkrabb auf die Jagd,
und wehe dem Kind, das er noch erwischt.
Das sieht seine Heimat niemals wieder,
da hilft kein Schreien und kein Geplärre.
Bist du erst einmal weg, kommst du nicht mehr zurück,
darum schlaf jetzt ein und mach keinen Mucks.
Und morgen früh, wenn es draußen hell ist,
dann darfst du gerne wieder ums Viereck sausen.