Silbenton hat für Juni die Juniverse 2026 gestartet. Jeden Tag ein anderes Wort. um das sich ein Gedicht ranken soll.
Für den 17. Juni ist das Wort „Waldschrat“.
Waldschrat nannten sie den Mann,
der einsam durch die Wälder strich.
Er zog die Menschen in den Bann
behielt sein Zuhause er für sich.
Mit langem Haar und grauem Bart
zog er durch Moos und Tannenwald,
sein Leben schien von eigner Art,
Sein Blick war sanft und niemals kalt.
Die Mütter warnten ihre Kinder:
„Bleibt fern vom Wald, das ist gesünder.
Der Waldschrat ist uns nicht geheuer
Bleibt besser in des Heims Gemäuer.“
Doch manche zog die Neugier fort,
sie gingen tiefer in den Wald,
und fanden an dem stillen Ort
kein Grauen, sondern festen Halt.
Wer ihm ins Angesichte sah,
dem wurde manches offenbar:
In seinen Augen, still und klar,
lag Güte, warm und wunderbar.
Und wuchs das Vertrauen Stück für Stück,
verlor die Furcht ihr altes Recht,
dann zeigte sich ein stilles Glück,
so einfach und zugleich so echt.
Der Waldschrat hatte, was oft fehlt,
wonach sich mancher Mensch heut sehnt:
Den Blick, der stets das Schöne wählt
und sich ans Schlechte nicht gewöhnt.
Er freute sich an jedem Licht,
am Vogelruf, am Morgentau,
und gab den schweren Sorgen nicht
mehr Raum als einer dunklen Schau.
Die Kinder wurden mit der Zeit
zu Menschen, ernst und voller Pflicht.
Der Wald verlor die Wichtigkeit,
doch glücklich wurden viele nicht.
Und manchmal, wenn der Abend fällt
und Wind durch hohe Kronen zieht,
fragt man sich leis in dieser Welt,
ob es den Waldschrat denn noch gibt.