Silbenton hat für Juni die Juniverse 2026 gestartet. Jeden Tag ein anderes Wort. um das sich ein Gedicht ranken soll.
Für den 18. Juni ist das Wort „Zentaur“.
Als Kronos noch die Stunden maß
und Pan im dunklen Haine saß,
da ward ich zwischen Welt und Welt
vom Schicksal auf die Bahn gestellt.
Des Pferdes Kraft durchströmt mein Blut,
frei wie der Wind, wild wie die Flut.
Doch hinter meiner Stirne wacht
der Geist, der selbst die Götter fragt.
Die Berge rufen meinen Lauf,
die Städte richten Tempel auf.
Dort klingt die Leier, hier das Horn –
und beides lockt mein Herz nach vorn.
So wander ich seit Götter Zeit
durch Wald und Marmorherrlichkeit.
Nie ganz dem Erdreich zugetan,
nie ganz auf Menschenpfaden da.
O Moiren, die den Faden drehn,
lasst mich den Sinn des Zwiespalts sehn:
Ob Fluch, ob Gabe mir beschert,
was zwei Naturen in mir nährt.
Doch schweigend ziehn die Sterne fort,
kein Gott vernimmt mein fragend Wort.
So trag ich zwischen Huf und Hand
mein Schicksal durch das weite Land.