Silbenton hat für Juni die Juniverse 2026 gestartet. Jeden Tag ein anderes Wort. um das sich ein Gedicht ranken soll.
Für den 6. Juni ist das Wort „Zwerg“.
Tief unten im Felsen, verborgen vom Licht,
liegt ein Reich, von dem kaum jemand spricht.
Dort leben Zwerge in Kammern aus Stein,
umgeben von Silber und funkelndem Schein.
So erzählen es Märchen seit uralter Zeit,
von Weisheit und Mut, von Hass und von Neid.
Denn nicht jeder Zwerg trägt dasselbe Herz,
manche schenken Freude, manche bringen den Schmerz.
Die guten bewahren, was wertvoll und rein,
und tragen ihr Licht in die Herzen hinein.
Sie schmieden mit Fleiß und mit ruhiger Hand
Glück und Vertrauen im ganzen Land.
Die anderen aber, vom Reichtum betört,
haben den Ruf ihrer Herzen zerstört.
Sie häufen die Schätze im Dunkel der Nacht
und glauben an Besitz als die größte Macht.
Seit Jahrhunderten dauert ihr heimlicher Streit,
verborgen im Berg und doch niemals weit.
Denn was dort geschieht in den Tiefen der Welt,
ist auch, was die Menschen im Innersten hält.
Auch in uns kämpfen, oft still und verborgen,
Hoffnung und Angst, Liebe und Sorgen.
Die eine Stimme will teilen und geben,
die andere fordert mehr für das eigene Leben.
Vielleicht sind die Zwerge deshalb nie verschwunden,
obwohl sie niemand im Alltag gefunden.
Sie leben in Bildern, Geschichten und Träumen
und zwischen den Zeilen der alten Reime.
Die Sagen bewahren, was Menschen bewegt:
wie man versucht und wie man widersteht.
Und darum erzählen wir sie immer noch gern,
von Zwergen im Berg und vom Guten im Kern.
Wenn nachts aus der Ferne ein Hämmern erklingt,
als ob tief im Fels ein Schmiedelied singt,
dann erinnert die Sage auf ihre Art:
Der größte Schatz wird im Herzen bewahrt.