Das Zinnbergwerk – bývalý cínový důl Rolava

2022 war ich einmal mehr mit der Foto Faktorei unterwegs auf vergangenen Spuren. Neben tollen Fotomotiven interessiert mich bei den sogenannten »Lost Places« auch die Geschichte der Örtlichkeiten, seien es einzelne Häuser oder, wie hier, eine ganze Industrieanlage.

Das Zinnbergwerk in Rolava wird auch als »NS-Bergwerk« bezeichnet, weil es nur in der Zeit der Annexion Tschechiens durch Nazi-Deutschland richtig in Betrieb war.

Ab 1906 ließ der Bergbauunternehmer Karl Häusler aus Teplice (Teplitz) am Kranisberg nordöstlich von Rolava (Sauersack) Erkundungsarbeiten durchführen. Ab 1908 wurde der Schacht »Segen Gottes« mit Sohlen in 36 Meter und 52 Meter Tiefe angelegt. Von 1919 an wechselte die Grube wiederholt die Besitzer, ohne dass die Förderung aufgenommen wurde.

1938 wurde das Sudetenland durch das Deutsche Reich besetzt und der Bergbau wurde reaktiviert. Die Bestrebung der Nationalsozialisten, autark zu sein und Rohstoffe zu gewinnen und der Kriegswirtschaft zuzuführen, waren ausschlaggebend. Die Wirtschaftlichkeit war dabei zweitrangig. Schätzungen nach wurden etwa 188.000 Tonnen Zinnerz (822 Tonnen Reinzinn) gefördert. Die alte Schachtsäule des Schachtes »Segen Gottes« war jedoch so marode, dass ein neuer »Schacht II« erbaut wurde. Ein weiterer Schacht »Schacht I« wurde in etwa einem Kilometer Entfernung erstellt. Bei Schacht I war dann auch die Aufbereitungsanlage.

Betreiber der als »Grube Sauersack« bezeichneten Bergwerkes war die Zinnbergbau Sudetenland GmbH. Die Grube wurde offiziell am 1. März 1940 offiziell eröffnet mit dem Ziel, die lagernden Zinn-Wolframerze (mit weniger als 1% Zinngehalt) zu gewinnen.

1941 zählte die Grube 186 Beschäftigte. Die Aufbereitungsanlage konnte erst im Februar 1943 in Betrieb genommen werden, der gesamte Komplex dann im Mai 1943. Die gesamten Investitionskosten sollen sich auf über 11 Millionen Reichsmark belaufen haben. 

Schon 1940 waren auch Zwangsarbeiter und deutsche Wehrpflichtige, Kriegsgefangene aus Frankreich, später auch aus der Sowjetunion im Arbeitseinsatz.

Im Frühjahr 1943 haben in der »Grube Sauersack« knapp 800 Menschen gearbeitet. Darunter etwa 350 sowjetische und knapp 100 französische Kriegsgefangene, etwa 80 Zwangsarbeiter aus der Ukraine, Polen und Italien und etwa 250 Deutsche (darunter wohl auch Wehrpflichtige).

Im März 1945 wurde die Förderung eingestellt, als amerikanischer und sowjetischer Truppen sich dem Bergwerk näherten.

Nach Kriegsende wurde die »Grube Sauersack« vom tschechischen Staat übernommen. Dieser entschied sich aufgrund der geringen Erträge gegen eine Weiterführung des Bergbaus. Die technischen Anlagen wurden in eine Grube in Tuchlovice westlich von Prag gebracht und die Gebäude sich selbst überlassen.

Die Bilder sind auch in der Galerie zu finden und können mit Klick auf das jeweilige Bild vergrößert werden.